Samstag, 8. Januar 2011

EK - Stadt - Gliederung / Segregation / Gentrifizierung




Historisch-genetische Gliederung
    • In jeder Stadtentwicklungsphase bilden sich neue Stadtteile
    • z.B. Altstadt, Wohnviertel der Industrialisierung, Großwohnanlagen der Nachkriegszeit

Daseinsgrundfunktion
    • Wohnen, Arbeiten, Sich versorgen, Sich bilden, Am Verkehr teilnehmen, In Gemeinschaft leben, Sich erholen
      • verteilen sich über die gesamte Stadtlandschaft
      • früher: im Mittelalter, keine räumliche Trennung von „Arbeiten“ und „Wohnen“, da die Bevölkerung nicht mobil war
        • durch zunehmende gewerblicher und industrieller Entwicklung und Motorisierung trennten sich die Funktionen „Wohnen“ und „Arbeiten“


Funktionale Gliederung
    • schnellere Erreichbarkeit, Flächenwachstum von Städten, fortschreitende Arbeitszeitenverkürzung, zunehmende Berufsdifferenzierung
      • neue Funktionen entstanden (am Verkehr/Kommunikation teilnehmen, sich erholen/bilden)
    • bestimmte Funktionen nehmen bestimmte Teilräume der Stadt in Anspruch
      • z.B. gibt es heute reine Wohn- oder Gewerbegebiete, die Innenstadt hat überwiegend Versorgungsfunktion

Soziale Gliederung
    • bedingt durch ethnische und regionale Herkunft, Schulbildung, Berufstätigkeit/Einkommen
    • Menschen, mit gleichen sozialen Merkmalen wohnen meist zusammen (vgl. Segregation)

Segregation
    • Soziale S. (Armutssegregation)
      • überwiegend sind Sozialhilfeempfänger und Arbeitslose davon betroffen
        • wohnen hauptsächlich in alten Arbeitervierteln (billige Miete, hoher Ausländeranteil)
    • Demographische S.
      • Entmischung von Altersklassen und Haushaltstypen
        • z.B. junge Familien mit Kindern in der Innenstadt kaum vorhanden, 20-35 Jährige und Einzelhaushalte dagegen in Innenstadtvierteln stark vertreten
    • Ethnische S.
      • Zuwanderung von ausländischen Arbeitsmigranten/Flüchtlingen
        • Bildung von Stadtvierteln nach Nationalität
          • z.B. Berlin Kreuzberg
      • führt meistens zur Abwertung eines Wohnviertels
        • mangelnde finanzielle Mittel verhindern das Durchführen von Renovierungsarbeiten
    • Umkehrprozess in Deutschland zu erkennen → Gentrifizierung



Gentrifizierung
    • „Pioniere“: junge Menschen, geringes Einkommen, hohe Schulbildung (Studenten, Künstler, sog. „Alternative“) ziehen in Unterschichtwohngebieten ein
      • Renovierungen im kleinen Rahmen
      • Veränderung der Infrastruktur
        • neue Geschäfte entstehen (weil: neue Zielgruppe)
        • Dienstleistung/Gastronomie
          • entwickelt sich zum Szeneviertel
          • Makler und Investoren werden darauf aufmerksam
    • Immobiliengesellschaften kaufen die relativ billigen Häuser
      • Modernisieren/sanieren diese
        • bieten sie zahlungskräftigen Bevölkerungsgruppen an
          • „Gentrifier“ ziehen ein
    • Viertel wird weiter aufgewertet, Mieten steigen
      • „Pioniere“ und alteingesessene Bevölkerung können es nicht mehr bezahlen, werden verdrängt

EK - Stadt - Verstädterung u. Urbanisierung




quantitative Aspekte
    • Zunahme der in Städten lebenden Bevölkerung
      • Zuwanderung aus dem ländlichen Raum
      • natürlicher Bevölkerungswachstum der Stadtbevölkerung
      • Steigende Anzahl von Städten
        • z.B. Europa: Neugründungen im Mittelalter/Neuzeit, Kolonialisierung weltweit
          • Prozess wird Verstädterung genannt

qualitativer Aspekt
    • Städtische Lebens – und Verhaltensweisen verbreiten sich durch die Abwanderung städtischer Bevölkerung in das Stadtumland (vgl. Suburbanisierung)
      • Folge: ländliche Räume werden städtisch Überformt
        • auch Film, Radio, Fernsehen, Printmedien transportieren Werte/Normen der Stadtbevölkerung, die von der Bev. des ländlichen Raums angenommen werden
          • Prozess wird Urbanisierung genannt


Urbanisierungsschub durch Industrialisierung
    • konzentriertes Arbeitsplatzangebot
    • hoher ländlicher Bevölkerungsdruck
      • bedingt durch: Sinken der Sterblichkeitsrate, Ländliche Armut, bessere Verdienstmöglichkeiten in den Städten (Lohnwert), infrastrukturelle Ausstattung → Landflucht/Pullfaktor

Verstädterungsprozess ging in Dekonzentrationsprozess (Suburbanisierung) über (zweite Hälfte des 19. Jhd.)
    • bauliche Verdichtung in Städten (um städtischen Zuwanderer aufzunehmen)
      • Wohnbedingungen verschlechterten sich
        • sozial besser gestellte Bevölkerung zog an den Stadtrand (Speckgürtel)
        • Bevölkerungsabnahme der veralteten Innenstädte
          • flächenhafte Ausweitung der Stadtregion

Wanderungsmotiv Wohnwert
    • hohe Grundstückspreise der Innenstädte
      • Wunsch nach einem Eigenheim

Wanderungsmotiv Freizeitwert
    • ökologischer Raum bietet Vorteile
      • naturbelassene Flächen als Naherholungsgebiet, geringeres Lärmaufkommen, mehr Licht und bessere Luft

Verlagerung von Industriebetrieben an den Stadtrand/Umland
    • Standorte in den Kernstädten zu teuer
    • verkehrstechnische Hindernisse
    • keine Expansionsmöglichkeiten (bauliche Höhenbeschränkung, mangelndes Platzangebot)

Bürostädte
    • nicht auf Repräsentation angewiesene Bürozentren werden verlagert
    • z.B. City-Nord in Hamburg
      • Entlastungszentren (meist in Flughafennähe, Autobahnkreuzen)